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China News & Views 9/03  

 

Washingtons Ruf nach Aufwertung des chinesischen Yuan kaum mehr als Effekthascherei. 

 

An sich hatten wir in dieser Ausgabe das leidige Thema "Gebrauchtmaschinen als Kapitaleinlage bei Investitionen in China" aufnehmen und warnen wollen: Wer als ausländischer Investor heute immer noch seine musealen Stücke zu Phantasiepreisen als "Kapital" ins Land zu bringen sucht, hat praktisch keine Chance, ggf. jedoch viel Ärger.  Unser Rat daher: Lassen Sie die Finger davon, oder machen Sie sich wenigstens sachkundig bevor das Kind im Brunnen liegt!

 

Nun aber haben wir den Besuch von US Treasury Secretary John Snow und seinen Ruf nach Aufwertung des chinesischen Yuan und somit ein Thema, das nicht nur ein paar "Mogler" interessieren dürfte, sondern jeden, der mit China in irgendeiner Form Geschäfte macht. 

Zunächst die Fakten: 1983 noch, also vor exakt zwanzig Jahren, gab es nach offiziellem (!) chinesischen Wechselkurs für USD 1.- Yuan 2.-;  heute sind es Yuen 8.27. Legt man nun das Inflationsgefälle zwischen China und den USA im gleichen Zeitraum zugrunde, so müsste der Yuan heute zum Dollar bei 4.2 stehen! Doch ehe wir Herrn Snow und seinen Dienstherrn Bush nun dankbar als gerechte Reiter feiern, die zu verhindern wissen, dass Saddam die Welt vernichtet, oder "die gelbe Gefahr" uns alle mit faulen Währungstricks ins Aus produziert: Allen devisenbewirtschafteten Ländern, vor allem aber jenen des Ostblocks, war und ist gemeinsam, dass sie den offiziellen Wechselkurs ihrer heimischen Währung stets zu hoch ansetzen, nicht zu niedrig! Man denke nur an die amtlichen Umtauschraten der alten Sowjetunion, DDR usw. China war da weder unter Mao noch nach ihm die Ausnahme. Der Tausch im Untergrund, wo es für Dollars leicht das Doppelte gab, blühte, und auch Chinas spezielle "Fremden-Yuan" (eine Währung nur für Ausländer und das einzige Bargeld, mit dem sie im Lande zahlen durften) änderten da nicht viel. 

Heute dagegen, beim Kurs von gut Yuan 8.- zum Dollar, ist Chinas Landeskindern der legale Zugang zu Devisen zwar immer noch stark beschränkt. Die früheren Eckensteher mit den Geldbündeln sind jedoch deutlich weniger geworden, und sie geben für Dollar selbst auf dem flachen Lande kaum noch zehn Prozent mehr als die nächste Bank.

So gesehen, ist besagtes Rechenspiel, wonach der Yuan heute zum US Dollar eigentlich bei 4.2 stehen müsste, eher schwach, und Chinas Devisen-Schwarzmarkt, wo Angebot und Nachfrage strenges Regiment führen, ein weit verlässlicheres Barometer. 

Selbst wenn aber Beijing, das jede Aufwertung bislang kategorisch ablehnt, seine Währung doch auf den Schwarzmarktkurs von, sagen wir, Yuan 9.- zum Dollar driften lassen würde, wäre die Sintflut chinesischer Exporte dann gebannt?

Chinas Produktionsbetriebe fakturieren ins Ausland -auch nach Europa-  hauptsächlich in Dollar. Gegen letztere importiert man  die zur Produktion notwendigen Rohstoffe. In Yuan bezahlt werden (von lokalen Steuern, Licht, Gas, Wasser usw. einmal abgesehen) eigentlich nur die Arbeiter und Angestellten. Sie erhalten monatlich im Durchschnitt rd. USD 133.- Ein Mädchen am Fliessband geht auf dem flachen Land am Monatsende oft mit kaum USD 50.-  heim. Sein amerikanischer Kollege dagegen kann mit USD 2,250.- rechnen. Auch nach amerikanischen(!) Schätzungen macht daher der Lohnkostenanteil am US Einzelhandelspreis bei "Made in China" Produkten, gerade wo noch viel Handarbeit im Spiel ist, meist nur um 10 Prozent aus. 

Fazit: Selbst wenn China den Yuan um 100% aufwerten oder die Löhne verdoppeln würde, dürfte vieles in den westlichen Industrienationen schlicht nicht mehr rentabel produzierbar sein. Sicher weiß das auch Herr Snow, und so gesehen, verkommt seine jetzige Demarche zur politischen Effekthascherei.

 

China dagegen bietet der Aufwertungsdruck -wob nun tatsächlich oder herbeigeredet- die Chance zur Lösung seines schon lange schwelendes Problems mit den staatlichen Banken: Letztere waren Jahrzehnte Selbstbedienungsläden für die maroden Staatbetriebe und sitzen nun auf faulen Krediten geradezu stellaren Ausmaßes. Etwa Yuan 1,000,000,000,000.-, so hört man, seien erforderlich, das -zusetzt 1998 notdürftig geflickte- Schiff wieder so flott zu machen, dass es internationalen Kapitalisierungsrichtlinien ins Auge sehen könnte. Da heißt es, die Gunst der Stunde nutzen und neues Geld drucken, das dieses Loch dann stopft. 700 Mrd. Yuan, so munkelt man, seien schon in der Überlegung. Der Aufwertungsdruck dürfte dann über schlichte Geldmengenausweitung erledigt sein, und Bush wie Snow können sich rühmen, zwar daheim keine Arbeitsplätze geschaffen, aber doch immerhin dafür gesorgt zu haben, dass Chinas Banken nun gegen die, dank WTO, ins Land drängende internationale Konkurrenz wettbewerbsfähig sind....

 

In eigener Sache:

Unser geschaeftsführender Gesellschafter, Herr Dr. Michael J. Thomas, wird am 26. 9. in Frankfurt, und vom 27. bis 30. 9. in Köln sein. Am 1. 10. 17.oo ist er Gastredner des Chinaabends der IHK Duisburg mit dem Thema "China: Absatzmarkt und Werkbank für die Welt -Chancen und Risiken für deutsche Unternehmen". Anmeldungen siehe http://www.duisburg.ihk.de/ihk.asp?his=1205.3179 . Am 3. 10. steht er Interessenten tagsüber in Zürich zur Verfügung. Sollten Sie seine Reise zu einem persönlichen Kennenlernen nutzen wollen, so würde uns das sehr freuen. Bitte senden Sie uns eine Mail (hongkong@deutsche-consult.com), oder rufen Sie unter +852 2522 7099 einfach an.

   

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