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China News & Views 8/06

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China stinkt zum Himmel, jedoch: Vielen Betrieben fehlt für Umweltschutz schlicht (auch) Geld.  

 

Die olympischen Spiele in Beijing haben ein Gutes schon jetzt: Die Hauptstadt wird sauberer. Die gröβten Stinker  werden mit Filteranlagen usw. aufgerüstet, verlegt oder geschlossen. In den reichen Küstenprovinzen -oder gar im Inland- tut sich dagegen in Sachen Umweltschutz immer noch recht wenig:

Chinas Kohlekraftwerke sichern dem Land traurigen Ruhm als weltgröβter Produzent von Schwefeldioxyd. Hong Kong etwa -wo Umweltthemen allmählich auch den sprichwörtlichen Mann auf der Strasse interessieren- kann zwar in Sachen Abwasserklärung, Kraftwerke, Autoabgase usw. selbst noch viel tun. Auch dann aber wird der Himmel über uns wohl meist gelblich grau bleiben, und unser Trinkwasser eher zum Duschen taugen. Die giftigen Wolken aus dem nahen China kennen keine Grenzen, und der -biologisch schon lange tote- Fluss, aus dem uns die Chinesen das Wasser verkaufen, dient drüben (wie die meisten Gewässer des Riesenreiches) zunächst als Kloake für Abfälle aller Art. 

 

Dass in den Industriezentren die Luft zum Schneiden ist, und Chinas Flüsse oft nicht einmal den mit ihnen bewässerten Agrarprodukten gut bekommen, weiß natürlich auch die Obrigkeit. Warum also geht sie -sonst doch kaum zimperlich- gegen die Stinker landesweit nicht ähnlich entschlossen vor wie in Beijing?

Ein Grund ist sicherlich, dass die unzähligen, oft veralteten und ineffizient arbeiteten Kohlekraftwerke der Provinzen und Kommunen selbst  auf Hochtouren den Energiehunger von Fabriken wie privaten (mit wachsendem Wohlstand zunehmend mit Klimaanlagen usw. ausgestatteten) Haushalten nicht stillen können. Entsprechend groβ ist die Unzufriedenheit jetzt schon. Selbst vorübergehende Abschaltungen zwecks Modernisierung könnten da zu regelrechten Aufständen der Verbraucher führen.

Außerdem sind die Strompreise meist  "politisch", also nicht wirklich kostendeckend. So manch selbst notleidender Staatsbetrieb  hängt sogar über Jahre am Netz und zahlt beharrlich nichts. Geht Vater Staat gegen solche "Kunden" vor, kann er sie eigentlich nur schließen; hat dann aber schnell gleich ein paar tausend (bislang hinter staatlichen Werkstoren  "geparkte") Arbeitslose mehr auf der Strasse.

 

Was bei dem weltweit bestaunten Chinaboom ferner leicht vergessen wird: Auch die privaten Produktionsbetriebe des Landes sind vielfach nur noch sehr begrenzt mit Zusatzausgaben für Umweltschutz belastbar: Ihre meist in US Dollar zahlenden Großkunden aus den westlichen Industrienationen schreien Jahr für Jahr nach Preissenkungen und bekommen sie oft auch, denn die Hersteller balgen sich um sie. Gleichzeitig aber sind viele Rohstoffpreise um 50 Prozent und mehr gestiegen. Arbeiter erhalten ihre -ebenfalls ca. 15 % höheren- Löhne in Landeswährung, und diese wertet gegenüber dem Dollar langsam aber stetig auf.  Würden bei solchem  Druck auf die Margen den Unternehmen zusätzlich noch gröβere Investitionen in Umweltschutzmassnahmen abverlangt, dürfte das so manchen Betrieb in die Pleite treiben. Die Erfolgsmeldungen der Provinzoberen nach Beijing könnten dann rarer werden, und wer will das schon.  Schwefeldunst am Himmel, Gift im Wasser, Schwermetalle in der Nahrung. Nicht schön zwar, doch weit besser als rebellierende Arbeitslose. Beijing propagiert zwar momentan Maßnahmen zur Abkühlung der (mit um 11 % Zuwachs in diesem Jahr) weiter galoppierenden Wirtschaft, ist aber bei sozialem Unfrieden  schnell nervös. Schuldige werden dann gesucht, stets gefunden und demonstrativ abgestraft. Nein, da lässt man besser alles wie es ist.

 

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