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China News & Views 4/03
English Version below
SARS in China: Durchbruch zu ehrlicher Berichterstattung als Langzeiteffekt?
Auch als sich fast sieben Millionen Hong Konger durchweg nur noch maskiert aus dem Haus trauten, und sogar unsere Obrigkeit allmählich eingesehen hatte, daß höchste Zeit zum Handeln war, berichtete China nur von Einzelfällen, die man voll unter Kontrolle habe. Mit chinesische Krankenhäuser besuchenden Vertretern der Weltgesundheitsorganisation (WHO) trieb man, jedenfalls in Beijing, sogar ein regelrechtes Versteckspiel, indem die Infizierten -obwohl lebensgefährlich erkrankt und hoch ansteckend- ohne Rücksicht auf Verluste jeweils vorher in andere Hospitäler und sogar Hotels (!) verlegt oder, wo die Zeit nun garnicht reichte, von Ambulanzen auch ein paar Stunden "auf Stadtrundfahrt" genommen wurden, bis der lästige Besuch der Fremden vorüber war.
Die chinesische Unart, schlechte Nachrichten um wirklich jeden Preis zu vermeiden, ist fast so alt wie das Reich der Mitte selbst, denn schon bei kleinen Fehlern, Fehltritten, Mißgeschick, ja Naturkatastrophen rollten unter so ziemlich jeder Dynastie im Wortsinn Köpfe, und die roten Kaiser seit Mao hielten das nicht anders. So meldete -und meldet (!)- jede Kommune und jede Arbeiterbrigade nur Vollauslastung und übererfüllte Plansolls, auch wenn sie bestenfalls unbrauchbares Zeug auf Halde produzierte. Zur Förderung solch scheinbar löblichen Tuns gab es dann staatliche Bankkredite, die irgendwo versickerten. Das Problem der hieraus resultierenden Unzahl maroder Staatsbetriebe, uneinbringlicher Schuldenberge und nach manchen Schätzungen 200 Millionen unproduktiv Beschäftigten/Arbeitslosen ist bis heute im Kern ungelöst. Das einzige Gegengift heißt Wachstum: Die immer wieder beschworenen und wohl auch erreichten- mind. 8 % pro Jahr sind nicht von ungefähr. Um sie zu halten braucht China intern wie weltweit steigende Nachfrage für seine Produkte und hat hierbei den Zustrom all derer, die das Land als "Werkbank der Welt" nutzen, ebenso nötig wie die Strömenden den billigen Produktionsstandort.
Bislang klappt diese Symbiose prächtig. Wie schnell aber eine Sache wie SARS gehörig Sand ins Getriebe schütten kann, läßt sich in Hong Kong wie Singapur quasi unterm Brennglas beobachten: Menschenleere Restaurants, Hotels, Kaufhäuser, Kinos, Flugzeuge und Flughäfen, überfüllte Krankenhäuser und Tausende in Quarantäne. Ausländer meiden die Region, und die Einheimischen beschränken sich auf den Weg zur Arbeit sowie nötigste Besorgungen. Selbst über die (auch hier freien) Osterfeiertage ging man allenfalls mit Picknickkorb "ins Grüne". Allein Lebensmittelläden und Taxifahrer (denn auch Hong Kongs an sich hervorragendes Nahverkehrsnetz meidet mancher) dürften mit dem Ostergeschäft in dieser Stadt, wo Einkaufsbummel sonst zur Freizeitgestaltung rechnen, zufrieden gewesen sein.
Hong Kongs Gastgewerbe, Reiseagenturen, Kaufhäuser entlassen Leute; ausländische Fluggesellschaften streichen Flüge. Sie alle schreien laut nach Subventionen. Die hier heimische Cathay Pacific gar denkt, angesichts angeblicher Verluste von momentan USD 3 Mio. am Tag (Rekordgewinn letzes Jahr allerdings rd. USD 510 Mio.) laut darüber nach, -falls Hong Kong keine Zugeständnisse bei Start- u. Landegebühren usw. macht, ab Mai den Passagierbetrieb erst einmal ganz auszusetzen. (Doch keine Angst: Die zum 2. Juni auszahlbare Dividende von insges. USD 238 Mio. ist schon beschlossen; Aktionaere wollen halt auch leben).....
Daß mit diesem Horrorszenario vor Augen, Chinas Obere bezüglich SARS erst einmal nach bewährter Art beschönigen, abwiegeln, abstreiten wollten, mag "historisch betrachtet" verständlich sein. Doch auch im Land des Lächelns ändern sich die Zeiten, denn selbst chinesische Ärzte widersprachen in offenen Briefen (und sicher mit hohem Risiko für die eigene Karriere!) den offiziellen Kranken- und Todeszahlen. Außerdem stand man bereits zu sehr im Blickpunkt von WHO und Weltpresse, hier und da kam sogar Volkszorn auf. So mußten Sündenböcke her, die in Gestalt von Gesundheitsminister und Beijings Buergermeister (erst 3 Monate im Amt und an sich Protege des neuen Präsidenten) schnell gefunden waren: Beide sind nun arbeitslos.
Ob das warnende Beispiel all die das Riesenreich durchsetzenden Heerscharen der -oft genug bis ins Mark korrupten- beamteten Lügner, Schoenschwätzer, Liebediener und Pöstchenschieber abschreckt? Wohl kaum, doch zumindest werden sie erst einmal vorsichtiger sein. Auch das wär's schon ein Anfang! Momentan jedenfalls scheint die Erfassung der echten SARS Zahlen landesweit voll im Gange. Auch dabei wird zwar so mancher Provinzfürst sicher nicht gleich vergangene "Zählfehler" offenbaren, und die Dunkelziffer hoch bleiben. Doch zumindest Neuzugänge dürften besser erfaßt werden. Wie gesagt: Ein Anfang, den Chinas in allen Bereichen höchst unzuverlässiges Statistikwesen gut gebrauchen kann.
Ein wirtschaftliches Opfer hat das Land jedenfalls jetzt schon messbar: Auf der Kantonmesse wurden in den ersten 6 (von insges. 12) Tagen ganze USD 2.2 Milliarden umgesetzt -gegen zus. USD 16.8 Milliarden letztes Jahr.
Mit besten Grüßen aus Hong Kong
Ihr DEUTSCHE CONSULT Team
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SARS in China: A breakthrough in honest reporting -eventually?
Even as Hong Kong's close to seven million souls hardly left home without wearing a mask, and this City's administration, after some initial lamenting, finally got into gear, China continued to talk of just some SARS cases nationwide, -a few more in neighbouring Guandung perhaps, but "all firmly under control, nothing to worry about"...
When representatives of the World Health Organisation came to visit hospitals in Beijing, SARS patients, gravely ill and highly infectious, were swiftly moved to other locations or put on ambulances (some call them trucks) for a free sightseeing tour, which only ended after those inquisitive WHO people had left.
Since times immemorial Chinese officials high and low have made it a habit to strictly avoid breaking bad news of any sort. Those caught making even minor mistakes had to fear for their lives, and indeed even mere messengers with news of natural disasters, foreign invaders and the like would sometimes not be spared. Mao the "Red Emperor" saw little reason to break with such time-honoured tradition, and as a result village chiefs, workers' committees etc., etc. throughout the land would report nothing but bumper harvests and over-plan production of all sorts of goods. This chain of lies going through the hierarchy and all the way up to Beijing continues to this day and with disastrous consequences: Only some years ago China finally stopped the practice that state-owned factories, badly managed, antiquated, hopelessly overstaffed and churning out goods that nobody would buy, could count on regular loans from the country's equally state-owned banks, which would never see that money again as, what not simply disappeared, was squandered.
The rot sits so deep that, according to some estimates, approx. 200 million Chinese are presently still "underemployed", and there is no quick fix. The only antidote is growth, which explains why the country is almost condemned to the oft quoted +8 GDP per cent per year. This, however, can only be sustained if worldwide demand for "Made in China" products continues its upward trend. Should the industrialised world suddenly chose another favourite manufacturing base (there is none in sight, but investors as well as buyers are volatile breeds), the country's rapidly growing domestic demand would soon run out of steam. Money does not grow on trees, -not even in China.
In a scenario where China is economically at least as dependent on the world as the latter is on China, Beijing can see the potentially devastating effects of SARS right at its doorstep: Hong Kong's (more even than Singapore's) hotels, restaurants, shopping malls, cinemas and tourist spots lie empty, whereas our hospitals are bursting at the seams. Even during the Easter holidays most Hong Kongers dared no more than a picnic trip to our beaches and green spots -the lonelier the better, thus leaving only grocers and taxis (as people tend to avoid even public transport) with some benefit.
As a result, the same hotels, restaurants, shopping malls etc. resort to lay-offs and cry for support from the government. Foreign airlines cancel more flights every day, and Hong Kong based Cathay Pacific (unperturbed by last year's record profit of USD 510 Mio.) loudly bemoans its alleged loss of presently USD 3 Mio. per day. For good measure,word leaks out that it might ground the entire passenger fleet in May -unless the government concedes lower landing fees and airport charges that is..( Come what may, Cathay's shareholders can, however, stand at ease: Their final dividend totalling USD 238 million will be disbursed on this June 2nd. First things first!).
With such potential for horror right under China's nose, one can almost sympathize with those in Beijing, who initially tried to resort to that old style of various stages of denial. But times do change, -even in China, and some doctors (risking their personal careers or more) went public, pointing the finger at blatantly understated numbers of SARS cases. Indeed even the proverbial man in the street soon grumbled, thus further jumpstarting Beijing into action; there the hunt for scapegoats was a swift one: China's secretary for public health and Beijing's mayor (just 3 months in office and a protégé of the country's new President) got the sack.
Will this at least serve as a long overdue warning to all those office bearers (village chiefs, shoe shiners, turncoats and other elements, often corrupt to the core) throughout that landmass called China? Realistically, one can hardly hope for more than a short stir in their ranks, but even that might be a -however humble- beginning in what is, for the statisticians of this world, still an area of darkness.
The present Canton Fair can already count its SARS related losses in dollars and cents in any event: Sales in the first six days (of twelve) amounted to just USD 2.2 billion against USD 16.8 billion the year before.
With kind regards
Your DEUTSCHE
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