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China News & Views 3/03  

 

Hong Kong erhöht Steuern für Firmengewinne um 1.5% auf 17.5%; Private +1% auf 16%

Schon weil Firmengründungen und Verwaltungen hier in Hong Kong unser täglich Brot sind, hatten wir die Steuerpläne der hiesigen Regierung sehr interessiert verfolgt, und nun sind sie amtlich: Ab 1. April 2003 steigen die Steuern auf Firmengewinne um 1.5 % auf 17.5 %. Überraschen konnte dieser Schritt eigentlich niemand, denn mit dem Ende der Immobilien- und Börsenspekulation als Volkssport ist auch das Staatssäckel schmäler geworden. Das teuere Heer von Staatsdienern frisst -mit Gehältern, die bis 30 Prozent über denen der Wirtschaft liegen- rd. 70% des Haushaltes auf. Hong Kong kann es aber nicht über Nacht abbauen, denn der Besitzstand des öffentlichen Dienstes ist in unserer Miniverfassung auf den Stand vom 30. 6. 1997, als die Briten abzogen, nach unten festgeschrieben. London hatte das bei den Verhandlungen mit Beijing so durchgesetzt und tat den lokalen Dienern seiner Kolonialverwaltung, um deren Treue in der Übergangsphase zunehmend besorgt, hier dann bis zuletzt noch viel Gutes...

Nun also müssen mehr Einnahmen her, denn es gilt ein Haushaltsloch von rd. USD 10 Mrd. zu stopfen. Angesichts seines Devisenhortes und völliger Schuldenfreiheit könnte Hong Kong zwar noch viele Jahre die Differenz vom Ersparten nehmen, doch gerade diese rd. USD 90 Mrd. Reserven sind es, die unsere -fest an den US Dollar gekoppelte- Währung vor Angriffen durch Spekulanten schützen. Als nach Tokyo größter Handels- und Finanzplatz Asiens braucht Hong Kong weltweit Vertrauen, und wer in den Ruf kommt, vom Bestand zu zehren, verliert als erstes dieses. In Wirtschaftskreisen weiß man das und hatte daher schon seit Monaten Steuererhöhungen von ein bis zwei Prozent zugestimmt -ja teils sogar empfohlen!

Viel mehr Luft für weitere Drehungen an der Steuerschraube dürfte Hong Kong auch kaum haben, denn in Singapur liegt der Satz bei (demnächst) 20 %, Shanghai geht Richtung 25 %, und beide sind als Standorte insgesamt billiger. Auch an der schönen Regel, dass außerhalb Hong Kongs erwirtschaftete Gewinne hier gänzlich steuerfrei sind, wird/kann unsere Obrigkeit nicht rütteln: Gerade sie zieht nämlich viele Ausländer an, die Hong Kong als Firmensitz wählen, ihre Geschäfte jedoch in China oder sonstwo machen und so den Finanzämtern aller Welt eine Nase drehen. Wie viele der gut 500,000.- hier registrierten Firmen (bei 7 Mio. Einwohnern) in ausländischer Hand sind, weiß wohl niemand, denn so manches geht über Treuhänder wie uns; doch dürfte der Anteil erheblich sein, und unsere Regierung will noch mehr anlocken!

Andererseits decken die jetzigen Erhöhungen bei Steuern auf Firmengewinne und private Einkommen kaum zehn Prozent des Haushaltsloches, und unsere Kasse soll -so der hehre Plan- bis zum Finanzjahr 2006/7 ausgeglichen sein.
Falls es bis dahin aber nicht gelingt, den öffentlichen Dienst, der Hong Kong wie ein Stein am Halse hängt, in Kopfstärke wie Besoldung auf ein bezahlbares Maß zu reduzieren;

falls sich unsere Bürokraten weiter von den großen Namen dieser Welt über den Tisch ziehen lassen, und etwa Disney seinen Park hier weitgehend mit unseren Steuergeldern baut;

falls noch andere Regierungsstellen es Hong Kong's Monetary Authority (quasi Zentralbank) nachtun, die sich im teuersten und höchsten Gebäude der Stadt gerade die oberen Etagen gönnt (sicher der besseren Weitsicht wegen...),

dann bleibt wohl nur noch die Einführung einer allgemeinen Umsatz- oder Mehrwertsteuer. Vorsorglich hat die Regierung diese Möglichkeit schon seit einiger Zeit untersucht und sich auch jetzt wieder ausdrücklich offen gehalten. Sicheres Geld verdienen würden dann allerdings zunächst einmal die Hersteller von Registrierkassen, denn das Heer der kleineren Händler, Gaststätten und Läden hier macht seine Geschäfte bislang noch lieber aus der Schublade...

Mit besten Grüßen aus Hong Kong
Ihr DEUTSCHE CONSULT Team
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