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China News & Views 01/07

http://deutsche-consult.com/archive/01-07.htm

 

 

 

Das neue Jahr in China, und was wir von ihm erwarten.

 

Nun steht auch das -hierzulande einzig wichtige-  Chinesische Neujahrsfest vor der Tür: Die Betriebe fahren Sonderschichten, um noch möglichst viele Aufträge zur Verschiffung bringen zu können, bevor Mitte Februar gut 150 Millionen Wanderarbeiter von den Küstenprovinzen in ihre Dörfer irgendwo im Landesinneren zurückkehren und von dort erst nach einem Monat zurückkommen. Manch einer bleibt -als Folge des Bestrebens der Zentralregierung, die Lebensbedingungen auf dem Lande zu verbessern- aber gleich ganz daheim; andere suchen in anderen Küstenstädten besser zahlende Arbeitgeber; nicht jeder kommt also an seinen alten Arbeitsplatz zurück, was dann im März/April in den Betrieben für weitere Unruhe sorgt.

 

Was also erwarten wir vom neuen Jahr?

 

1.) Die chinesische Währung wird in 2007 zum US Dollar ca. 5 bis max. 10 % weiter aufwerten.

 

Seit 7/2005 betrug die Aufwertung 6.3%, und in diesem Tempo dürfte es zunächst weitergehen. Mehr wäre zwar auch seitens der -von täglich wachsenden Devisenreserven von über USD 1Billion mehr und mehr gedrückten- Beijinger Zentralregierung sicher wünschenswert. Sie muss jedoch befürchten, dass viele der, oft mit geringen Margen arbeitenden und jetzt schon mit steigenden Löhnen wie Rohstoffpreisen kämpfenden Exportbetriebe im Lande eine drastische Aufwertung weder an ihre -meist in USD fakturierten- Käufer weitergeben noch selbst verkraften könnten. Allein ein (durchaus nicht unwahrscheinlicher) Konsumcrash in den USA würde in China schon mehr als genug Pleiten hinterlassen. Und nichts fürchtet Beijing mehr als sozialen Unfrieden z.B. durch steigende Arbeitslosigkeit.

 

2.) Weitere Schritte zur Einführung der für 2008 geplanten, einheitlichen Gewinnsteuer von 25% für alle Betriebe in China.

 

Auch hier würde ein Konsumcrash bei Chinas Großkunden Amerika sicher zumindest die zeitliche Planung über den Haufen werfen. Tatsache ist jedoch: Die -von 33% für chinesische Betriebe- auf 15 % reduzierten Gewinnsteuersätze für Investoren aus dem Ausland braucht es eigentlich schon längst nicht mehr: Alle großen Auslandskonzerne der ersten bis dritten Reihe sind schon hier, und bei allen, die da immer noch kommen wollen, kann China durchaus wählerisch sein: Wer keine leckere Technologie ins Land bringt oder zumindest -und dann möglichst im armen Westen und Landesinneren- gehörig Arbeitsplätze schafft, darf gern draußen bleiben.

Außerdem zahlt, wer als Ausländer einen Handelsbetrieb eröffnen möchte, schon jetzt die normalen 33% und muss sich klaglos gefallen lassen, dass ihm die Genehmigungsbehörden in ihrer undurchschaubaren Allmacht -statt der gesetzlich zunächst vorgesehenen USD 60,000.- Mindestkapital- heute in den Küstenregionen selbst bei kleinen Projekten meist USD hundert- und zweihunderttausend als Kapitalausstattung aufbrummen. Und dennoch kommen sie aus aller Welt weiter wie die Lemminge.

Für die einheimischen Betriebe wäre eine Senkung der Gewinnsteuer von 33 auf 25% dagegen eine fühlbare Erleichterung. Allerdings nimmt auch in China die eine Hand gern, was die andere gibt: So könnte, zeitnah zur Einführung, dann doch ein größerer Aufwertungsschub des chinesischen Renminbi zum USD kommen. 

 

 

3.) Kein Krieg mit Taiwan, doch weitere Maßnahmen, die den USA die 

      Lust nehmen sollen, bei einem eventuellen Waffengang einzugreifen.

 

Ein Eingreifen Amerikas mit Land- und Seestreitkräften erforderte (bei zunehmend ungewissem Ausgang) zumindest ganz erheblichen eigenen Blutzoll, den das Land nach Korea, Vietnam und jetzt dem Irakdebakel politisch kaum verkraften könnte. Für Angriffe mit Fernwaffen aus der Luft aber braucht das Pentagon seine Spione im All, und deren Verwundbarkeit hat China mit dem Abschuss eines eigenen Wettersatelliten nun taufrisch aller Welt vorgeführt.

Mit dem –noch im Koreakrieg erwogenen- Einsatz amerikanischer Atomwaffen ist ohnehin nicht zu rechnen, denn noch ist das US Arsenal zwar weit überlegen; doch weiß man auch, dass China sich jetzt schon mit nuklearen Gegenschlägen auf Amerikas Wähler daheim rächen könnte und wohl auch würde.  Und wer will, das schon.

Der Abschuss des chinesischen Wettersatelliten dürfte nun in Amerika warme Erinnerungen an Ronald Reagan wecken, der damals die Sowjetunion schon mit vollmundigen Ankündigungen eines Aufrüstens im All „Star Wars“ erst in die Enge und dann in die Knie zwang. Doch hier besteht zu China ein ganz wesentlicher Unterschied: Die Sowjetunion war ein bettelarmer Riese, der damit –wie wir heute wissen- lange schon auf tönernen Füssen stand. China dagegen hat zur Finanzierung seines Drangs zur Supermacht geradezu unbegrenzt Geld!

 

Und außerdem:  Taiwan, nicht erst seit sich nun auch der Vatikan allmählich Beijing zu- und damit von der ‚abtrünnigen“ Insel abzuwenden scheint, hat für die USA Jahr für Jahr an Bedeutung verloren, ja ist zur Belastung verkommen. Da dürfte es Washington am liebsten sein, wenn Taiwan selbst wieder Annäherung oder besser noch eine Form der Wiedervereinigung mit China fände. Und falls doch Krieg, dann möge der bitte so schnell gehen, dass China Fakten schafft, noch ehe Amerika eingreifen kann. So wäre Washingtons Gesicht halbwegs gewahrt –und das Leben vieler GIs sowie die Wählerstimmen all der Witwen, Eltern und Hinterbliebenen, überhaupt Kriegsmüden (sie alle werden täglich mehr) im Lande auch.

 

Mit besten Grüssen & Wünschen zum chinesichen "Jahr des Schweins" (http://www.chinaseite.de/china-kultur/chinesische-astrologie/chinesisches-horoskop/jahr-schwein.html)

 

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