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China News & Views 1/03  

 

Handelsfinanzierungen für deutsche Im- & Exporteure

im Chinageschäft am Bankenplatz Hong Kong ? 

von Dr. Michael J. Thomas  

 

Als nach Tokio zweitgrößter Bankenplatz Asiens spielt Hong Kong mit seinen fast sieben Millionen Einwohnern auch weltweit in der Oberliga der Finanzzentren, und es gibt kaum eine international operierende Bank, die hier am „Tor zu China“ nicht vertreten wäre. Insgesamt sind es  319, darunter zehn aus Deutschland.

Nicht alle dürfen jedoch unbeschränkt tätig sein: 94 (davon 2 deutsche) sind bloße Repräsentanzen, denen eigene Bankgeschäfte ohnehin verboten sind; bei 45 bzw. 46 handelt es sich um Deposit-Taking Companies und Restricted Licence Banks, wobei letztere zwar auch Warengeschäfte finanzieren dürfen, praktisch jedoch meist nur in Nischen (wzB. dem China-Südafrikahandel) operieren.

 

Das Gros der Exportfinanzierungen fällt den 134 hier voll zugelassenen Banken und ihren 1334 Zweigstellen zu. Und unter diesen geben die Hongkong & Shanghai Bank, die Bank of China und die Standard Chartered Bank (durchaus in dieser Reihenfolge) den Ton an. Verglichen mit ihnen sind die acht deutschen Bankfilialen hier, auch wenn man sie als Einheit sähe (was sie nicht sind) eher Randerscheinungen, und den meisten anderen ausländischen Banken geht es nicht besser. Obendrein sind sie lediglich bei Krediten in den großen Währungen wie Euro oder US Dollar konkurrenzfähig. Bedarf an Hong Kong Dollar müssen sie dagegen im Interbankenmarkt -wieder meist bei den genannten  Platzhirschen- teuer refinanzieren. Das Gros (nicht nur) der deutschen Niederlassungen hier beschränkt sich daher eher darauf, die Import/Exportgeschäfte ihrer heimischen Firmenkundschaft –und hier (dann meist zu Minimargen) vor allem der Großkunden- sowie ihnen aus dem eigenen Filialnetz von irgendwo in der Welt zugewiesene Transaktionen abzuwickeln.   

Wer sich aus dem Import/Exportkuchen lediglich so Rosinen wie die Devisenseite, Akkreditiveröffnung, -avisierung, -ankauf, -abwicklung, Bid- und Performance Bonds usw. herauspicken will, kann das  allenfalls über Preiszugeständnisse, denn bei den hiesigen lokalen Banken bekommt der Kunde alles bequem aus einer Hand. Sogar der Verfasser muss, obwohl lange Jahre bis Anfang der 90er selbst Leiter der hiesigen 300 Mann-Filiale einer deutschen Grossbank, schamhaft gestehen, dass wir uns heute als (auf die Gründung und Verwaltung von Hong Kong Firmen spezialisierte)Treuhänder bei den zitierten „Platzhirschen“ bestens aufgehoben fühlen, und diese auch unseren Klienten empfehlen.


Das heißt jedoch keineswegs, dass die HSBC oder eine der anderen lokalen Banken hier bei Finanzierungen jedweder Art großzügig wäre. Eher herrscht Pfandleihementalität:

Durchweg werden Sicherheiten wie erstrangige Hypotheken auf in Hong Kong gelegene (!) Immobilien, und bei ausländischen Kunden (durchaus auch größeren!) die Garantie deren heimischer Hausbank oder schlicht Bardeckung verlangt. Ist die Sicherheitenfrage geregelt, steht dem Kunden das gesamte Instrumentarium der Import/Exportfinanzierung zur Verfügung, wie wir es auch in Deutschland kennen. Allerdings gibt es im wesentlichen drei Besonderheiten, die hier kurz erwähnt sein sollen:

Beim Ankauf akkreditivkonformer Exportdokumente behalten sich Hong Kongs lokale Banken den Rückgriff auf ihren Kunden vor und stehen mit diesem Service obendrein nur ihnen halbwegs bekannten Kunden zur Verfügung.

Ebenfalls nahezu unbekannt ist das echte Forfaitierungsgeschäft, also der regresslose Ankauf von Handelswechseln (mit oder ohne Bankaval). Derlei Dokumente werden vielmehr als Sicherheit für einen Barvorschuss an den Kunden hereingenommen, und letzterer haftet voll für die Rückzahlung.

Nicht bekannt sind schließlich auch die in Deutschland so beliebte Sicherungsübereignung sowie der Eigentumsvorbehalt.

Entsprechend unbeliebt sind Warenlagerverpfändungen (Sicherungsübereignung gibt es, wie gesagt, nicht) und Pfandrechte auf  Fahrnis wie etwa Maschinen, die –da Hong Kongs Fabriken längst über die Grenze nach China abgewandert sind- allerdings eigentlich nur noch im Baugewerbe eine Rolle spielen.

Derlei wie auch Hypotheken an zweiter und dritter Rangstelle nehmen in ihrer Not dann eher noch die ausländischen Banken hier, um bei Kunden, die ihrer Hausbank alles andere schon verpfändet haben, doch noch ins Geschäft zu kommen.   

 

Was also müssen ausländische Importeure wie Exporteure tun, um in Hong Kong an eine Finanzierung für ihr Chinageschäft zu gelangen?

 

·        Zunächst müssen sie in Hong Kong eine Niederlassung haben, denn hier nicht ansässigen Schuldnern leiht kaum jemand etwas. Am weitaus beliebtesten ist die Rechtsform einer Private Limited, von denen es hier gut 500,000 gibt. Gesetzliche Mindestausstattung: Kapital mind. HKD 2.- (rd. € 0.25), mind. 2 Aktionäre und 2 Direktoren, die nicht in Hong Kong ansässig sein müssen; 1 Company Secretary (der Resident sein muss); Hong Konger Firmensitz.

      Kosten: € 1,000.-  einmalig für die Firmengründung; laufende Kosten: Ab € 3,000.- pro Jahr. 

 

·        Die Abwicklung der Handelsgeschäfte und alle Backoffice-Arbeit der Hong Kong Limited können zwar hierauf spezialisierten Treuhändern überlassen werden. Die Firma sollte jedoch mit ausreichend Mitteln –ggf. auch in Form von Krediten des Stammhauses- ausgestattet sein, um jedenfalls in den ersten 2-3 Jahren, wo an Bankfinanzierung kaum zu denken ist, auf eigenen Füssen stehen zu können.

 

·        Ängstlich zu vermeiden sind Patzer wie geplatzte eigene Schecks: Hong Kongs Banken sind schon bei kleinsten Überziehungen gnadenlos, und der mühsam aufgebaute Ruf bei Bank wie Kunden erheblich zurückgeworfen.

 

·        Achten sollte man auch darauf, dass Kundenschecks ordentlich bezahlt und Akkreditive sauber bedient werden: Wer seiner Bank laufend platzende Schecks seiner Käufer oder nicht akkreditivkonforme Dokumente einreicht, fällt bald auf –negativ.

 

·        Die jährlich von einem hiesigen Wirtschaftsprüfer zu testierende Bilanz sollte zeigen, dass es mit der Hong Kong Limited aufwärts geht, und das Stammhaus hinter ihr steht. Wer jeden Cent Gewinn sogleich abzieht, beweist das Gegenteil.

 

Schließlich ist es auch in Hong Kong –beim Mittelstand besonders rigoros praktizierte- Bankpolitik, dass Kredit nur bekommt, wer ihn nicht wirklich braucht...

 

Weiterhin viel Erfolg in 2003 wünscht

Ihr DEUTSCHE CONSULT Team
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